Wo bleibt die Abstandssteuerung?

Wenngleich die Softwareversion 1.6.0 viele neue Funktionen und Verbesserungen mit sich bringt, so lässt sie doch ein wichtiges, um nicht zu sagen das wichtigste, Feature immer noch vermissen, auf das alle ohnehin schon viel zu lange warten. Es stellt sich die Frage: Wo bleibt sie denn nun, die seit über einem halben Jahr angekündigte Abstandssteuerung? Nun, wir sind unseren Kunden hier eine ehrliche und ausführliche Antwort bis jetzt schuldig geblieben … das soll sich hiermit ändern.

Anforderungen

Von Anfang an war klar, dass unser System besonders in Hinblick auf die automatische Abstandssteuerung besser funktionieren muss als die bisher erhältlichen Alternativen. Störungen durch das (mal mehr, mal weniger) vorhandene Umgebungslicht, nicht exakt ausgerichtete Infrarot-LEDs und auch das zwingende „Einmessen“ der Fahrzeuge sind mitunter die drei wichtigsten Punkte, die unserer Ansicht nach verbessert bzw. eliminiert gehören. Dazu kam bereits kurz nach der ersten Veröffentlichung unseres Systems der Wunsch vieler Kunden, unsere Abstandssteuerung auch mit jener der Mitbewerber kompatibel zu machen – natürlich ein durchaus nachvollziehbarer Wunsch. Fasst man all diese Punkte zusammen, so steht man allerdings früher oder später vor einem Problem: Unter Verwendung derselben (Infrarot-)Technologie (wie sie bisher „alle“, wenngleich auch in unterschiedlichen Ausprägungen, verwenden), sollen schlussendlich bessere Ergebnisse erzielt werden als die bisherigen Lösungen sie bieten. Wir haben daher die letzten Monate alles in unserer Macht stehende versucht, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden; spätestens jetzt ist allerdings der Zeitpunkt gekommen, um Ihnen, unseren Kunden, eine Alternative zu präsentieren.

Stand der Technik

Es liegt uns fern, die Lösungen unserer Mitbewerber in irgendeiner Weise schlechtzumachen oder den Arbeitsaufwand, der sich dahinter verbirgt, auch nur im geringsten kleinzureden – jede Lösung hat Ihre Daseinsberechtigung und die verantwortlichen Entwickler verdienen entsprechenden Respekt für ihre Entwicklungen in diesem Bereich.

 

Alle (infrarotbasierten) Lösungen zu Abstandshaltung zwischen zwei oder mehreren Fahrzeugen haben eine Eigenheit gemeinsam, die dem sonst so hohen Realismusanspruch vieler Nutzer eigentlich nicht gerecht wird: Das hintere Fahrzeug „sieht“ das vorausfahrende Fahrzeug nicht – ohne entsprechende Nachricht „von vorne“ weiß ein Fahrzeug nicht, wann es bremsen muss oder wieder beschleunigen kann. An sich nicht so schlimm könnte man meinen, beim Betrachten der Anlage bzw. selbst beim genaueren Hinsehen fällt es ja nicht wirklich auf, das infrarote Licht ist schließlich unsichtbar.

Stimmt, in seiner einfachsten Form ist dieses System wirklich eine praktische und günstige Lösung zur Kollisionsvermeidung. Was aber, wenn sich die Umgebungslichtverhältnisse ändern? Besonders auf Messen können Anlagen oft nur schwer von direkter Sonneneinstrahlung abgeschirmt werden. Was, wenn sich der Akku eines Fahrzeugs zu Ende neigt? Ein nachkommendes Fahrzeug erhält plötzlich keine Informationen mehr darüber, ob es langsamer werden muss oder weiterfahren kann. Was, wenn ein Problem mit der Fahrbahn besteht und ein Fahrzeug die Führung durch das Magnetband verliert? Kollisionen mit anderen Objekten auf der Anlage können nicht verhindert werden, da diese im Normalfall kein passendes Infrarot-Signal aussenden. Dazu kommt, dass der Abstand zwischen den Fahrzeugen nur schwer einstellbar ist, da er mitunter von vielen äußeren Faktoren abhängt, die sich durchaus auch dynamisch ändern können.

Infrarot 2.0

Aufbauend auf der bestehenden Technik haben wir nun versucht, die oben beschriebenen Probleme – zumindest teilweise – „in den Griff“ zu bekommen. Ein Unterfangen, von dem wir jetzt wissen, dass es mit der aktuellen Hardware nur schwer bzw. unter großen Abstrichen in anderen Bereichen durchführbar ist. Mithilfe von verschiedensten Algorithmen und mit dem Einsatz von Techniken aus der digitalen Signalverarbeitung ist es uns im Testaufbau gelungen, einerseits die Reichweite der Infrarotübertragung bei gleichbleibendem Stromverbrauch um den Faktor 1.5 zu erhöhen und zugleich einen absoluten Abstandswert aus dem empfangenen Signal zu berechnen, der nahezu unabhängig von der vorherrschenden Umgebungslichtsituation ist. All dies unter Verwendung von „Standardbauteilen“, also Infrarot-LEDs und einfachen Fototransistoren. Auf diesen, wie wir denken, durchaus bemerkenswerten Durchbruch folgte allerdings recht schnell Ernüchterung: Die Berechnung all dieser Werte nimmt in der Praxis viel zu viel Zeit in Anspruch, unter der „tollen“ Infrarotübertragung leiden also mitunter die Funkkommunikation, die Funktionsausführung, das Motormanagement und andere wichtige Fahrzeugfunktionen. Diese Erkenntnis ist zweifelsfrei als Rückschlag in der Entwicklung zu bezeichnen, da in diesen Programmteil durchaus eine dreistellige Stundenanzahl geflossen ist – Zeit, die an anderen Stellen eigentlich dringender gebraucht wurde. 

Wie es nun weitergeht

Heißt das nun, dass die Abstandssteuerung nie funktionieren wird? Doch, sie wird funktionieren, allerdings anders, als wir es ursprünglich angekündigt haben. Nach der oben beschriebenen Erkenntnis haben wir nach einer Lösung gesucht um die Abstandssteuerung auf Basis einer anderen, d.h. moderneren Technik zu realisieren … und wir haben sie gefunden!

Am einfachsten zu beschreiben ist der neue Ansatz wohl, indem man einen Blick auf die Entwicklungen in der (1:1) Autoindustrie wirft: Der „adaptive Tempomat“ gehört heute schon zu Grundausstattung vieler Serienfahrzeuge. Mit steigender Häufigkeit setzen diese Systeme auf die sog. „Lidar“-Methode (Abkürzung für englisch light detection and ranging; Wikipedia) um den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zu ermitteln. Hindernisse werden auf diese Art ebenso erkannt wie andere Verkehrsteilnehmer, völlig autonom, gänzlich ohne Mitwirkung von anderen Fahrzeugen. Diese Funktionalität, natürlich dem Maßstab entsprechend angepasst, werden wir in Form eines kleinen Moduls anbieten, welches an der Fahrzeugfront anstelle der bisher üblichen IR-Fototransistoren verbaut wird. Die Kompatibilität zu anderen Decodern wird dadurch nicht ausgeschlossen, da natürlich weiterhin IR-LEDs am Fahrzeugheck verbaut und vom Decoder angesteuert werden können.

Da wir bereits erste Prototypen des Moduls gefertigt haben, werden wir bereits kurz nach der Messe in Sinsheim ein ausführliches Video veröffentlichen, das diese Form der Abstandssteuerung „in Aktion“ zeigt. Bis zur allgemeinen Verfügbarkeit werden maximal noch 6-8 Wochen vergehen, die Zeit, die unser Zulieferer zur Fertigung der Module benötigt. Alle Bestandskunden bekommen diese „Nachrüstung“ selbstverständlich kostenlos zugesandt! Auf den Preis des Decoders wird sich diese Änderung nicht auswirken.

Eine ausführliche Präsentation des neuen Moduls und auch der zusätzlichen Funktionen, die sich aus dieser neuen Technik ergeben, folgt in naher Zukunft. Wir möchten uns bei allen Kunden für die weiterhin andauernde Wartezeit entschuldigen. Wenngleich diese neuen Umstände natürlich nicht optimal sind, so sind wir dennoch davon überzeugt, dass die Überlegenheit dieser Technik den Aufwand durchaus rechtfertigen wird.

%d Bloggern gefällt das: